Exkursion_2018

Pfingstexkursion 2018

Gruppenfoto auf der Baustelle Gateway Gardens
Gruppenfoto auf der Baustelle Gateway Gardens

In diesem Jahr führte uns die gemeinsame Exkursion des Institutes für Massivbau der TU Darmstadt und der Fachgebiete Massivbau und Stahlbau der TU Kaiserslautern in die Niederlande. Die TU Darmstadt wurde durch Herrn Professor Graubner, zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern (Redouan El Ghadioui und Dominik Müller) sowie 20 Studierenden vertreten. Weitere 20 Studierende der TU Kaiserslautern begleiteten die Exkursionsgruppe mit ihren Professoren Glock und Kurz sowie ebenfalls zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern (Fadi Awed und Nicole Schmeckebier). Vom 22.-25. Mai 2018 konnten alle Teilnehmer fachliche und kulturelle Eindrücke aus unserem Nachbarland gewinnen, da neben Baustellenbesichtigungen und Fachvorträgen auch architektonische und kulturelle Highlights besichtigt wurden.

Tag 1 – Frankfurt – Eindhoven – Delft

S-Bahn Tunnel in offener Bauweise - Gateway Gardens
S-Bahn Tunnel in offener Bauweise – Gateway Gardens

Am ersten Tag der Exkursion stoppte die Gruppe in Frankfurt am Main, genauer gesagt bei den Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen. Gateway Gardens soll ein neues gewerbliches Stadtviertel werden, welches unter anderem durch eine S-Bahn erschlossen werden soll. Die Firma Wayss & Freytag, welche drei Lose der Tunnelneubaustrecke inne hat, begrüßte uns herzlich und gewährte uns einen Einblick in ihre weitläufige und ebenso komplexe Baustelle. Nach einem Vortrag und einer Stärkung wurde gemeinsam die Baustelle besichtigt, welche sowohl den Regelquerschnitt des Tunnels als auch den Querschnitt im Bahnhofsbereich umfasste. Die Gruppe konnte viele Bauzustände sehen, wie z.B.: die Verbauwände, die Unterwasserbetonsohle mit und ohne die darüber liegende Fundamentplatte oder den fertigen Tunnelquerschnitt. Der Tunnel wird je nach Abschnitt in offener Bauweise oder in Deckelbauweise ausgeführt.

3D Concrete Printing in Eindhoven
3D Concrete Printing in Eindhoven

Nach einem erkenntnisreichen Vormittag ging es weiter an die TU Eindhoven. Dort hörten wir zunächst einen spannenden Vortrag zum Schadensfall am Parkhaus Airport Eindhoven von Herrn Professor Simon Wijte, der diesen Schadensfall der Halbfertigteil-Hohlkörperdecken begutachtet und wissenschaftlich begleitet. Im Anschluss an diesen Vortrag wurde der Gruppe der 3D-Betondrucker präsentiert und seine Funktionsweise erläutert. Der anschließende Vortrag zu diesem Thema von Herrn Professor Theo Salet umfasste sowohl die grundlegenden Funktionen des Druckers als auch die besonderen Materialeigenschaften und technischen Fortschritte auf dem Gebiet der Sensortechnik. Gegen Abend verließ die Gruppe Eindhoven und bezog das Hotel in Delft. Anschließend ließ die Gruppe den Abend auf dem Delfter Beestenmarkt ausklingen.

Theo Salet / TU Eindhoven
Theo Salet / TU Eindhoven

Tag 2 – Den Haag – Rotterdam

Tunnel der Rotterdamsebaan
Tunnel der Rotterdamsebaan

An Tag 2 machte sich die Gruppe auf in Richtung Den Haag, wo das Tunnelbauprojekt Rotterdamsebaan besichtigt wurde. Anders als am ersten Tag wird hierbei eine geschlossene Bauweise mit Hydroschildvortrieb verwendet. Der neue Tunnel soll die „Central Zone“ von Delft mittels Autobahn besser erschließen. Es werden zwei Tunnelröhren mit einer Länge von je 1,65 km erstellt. Die für den Bau benötigten Tübbinge werden am Tunnelanfang gelagert. Wie in den Vorträgen von Herrn Christoph Hennings und Kersten Dengler (Wayss&Freytag Ingenierubau AG) erklärt, konnten Unterschiede zwischen den Tübbingen für den Tunnelquerschnitt im Regelbereich und den Querschnitt an Querverbindungen erkannt werden. Dabei handelt es sich um spezielle Schubverbindungen an den Tübbingen, um den Tunnelring zu stabilisieren, wenn ein Tübbing ausgebaut und der Zugang zu den Querschlägen geöffnet wird. Das ausgebaute Bodenmaterial wird vor Ort in einer Trennanlage bearbeitet und dann abtransportiert. Die Besichtigung der Baustelle erfolgte in zwei Gruppen. Die jeweils andere Gruppe hörte in der Zwischenzeit einen Vortrag zu dem Projekt, der die Eckdaten, das Vorgehen sowie die FE-Modellierung umfasste.

Kersten Dengler (Wayss&Freytag) erläutert die statische Berechnung von Tunnelbauwerken
Kersten Dengler (Wayss&Freytag) erläutert die statische Berechnung von Tunnelbauwerken
Jan Peeters von FiberCore erläutert die InfraCore-Technologie
Jan Peeters von FiberCore erläutert die InfraCore-Technologie

Im Anschluss besuchten wir in Rotterdam die Firma FiberCore. Nach einem interessanten Vortrag im Rotterdam Science Tower zu Aufbau und Eigenschaften faserverstärkter Kunststoffbauteile durften wir noch die Produktionshalle besuchen. Hier konnten die unterschiedlichen Bearbeitungsschritte sowie fertiggestellte Produkte begutachtet werden. FiberCore hat mehr als 700 Konstruktionen aus faserverstärkten Kunststoffen hergestellt, welche sich über die gesamte Welt verteilen. An Tag 3 war es uns möglich eine glasfaserverstärkte Klappbrücke der Firma FiberCore zu besichtigen.

GFK-Klappbrücke von FiberCore
GFK-Klappbrücke von FiberCore

Danach ging es weiter mit einem kulturellen Erlebnis. Gemeinsam wurde eine Hafenrundfahrt in Rotterdam unternommen. Diese startete und endete an der bekannten Erasmus Brücke. Der Hafen von Rotterdam ist der größte Tiefwasserhafen Europas, weshalb es imposant war, diesen in Teilen zu durchqueren. Im Anschluss an die Hafenrundfahrt mit kühlen Getränken haben wir die freie Zeit in Rotterdam genossen. Viele der Mitreisenden machten sich auf den Weg um weitere Brücken, die besagten Kubushäuser und die bunte Markthalle zu sehen.

Sehenswürdigkeiten von Rotterdam
Sehenswürdigkeiten von Rotterdam

Tag 3 – Amsterdam

Amsterdamer Grachten und Häuser
Amsterdamer Grachten und Häuser

Am dritten Tag startete die Gruppe nach Amsterdam. Zunächst gab es eine sehr interessant gestaltete Stadtführung. In zwei Kleingruppen aufgeteilt ging es zu Fuß durch die Stadt und es wurden spannende Hintergrundinformationen zur Entwicklung der Hauptstadt der Niederlande gegeben. So stammt der Stadtname beispielsweise daher, dass Siedler sich an dem Fluss Amstel niedergelassen und aufgrund der Begebenheiten dort einen Damm errichtet haben. Aus Amstelredam entwickelte sich irgendwann Amsterdam. Des Weiteren wurde erklärt, weshalb die Häuser entlang der Kanäle allesamt nach vorne geneigt sind. Aufgrund hoher Grundsteuern wurden die Grundrisse der Häuser damals sehr klein gehalten und stattdessen in die Höhe gebaut. Dadurch konnten jedoch Möbel oder andere große Gegenstände kaum durch das Treppenhaus transportiert werden, weshalb an jeder Giebelspitze eine flaschenzugähnliche Konstruktion zu sehen ist, an welcher die Gegenstände in das entsprechende Stockwerk gezogen wurden. Um ein Anschlagen der Fracht besonders bei Wind gegen die Hauswand zu vermeiden, sind die Giebelwände zum Kanal hin geneigt.

HOCHTIEF lud ein ins "Il Caffé"
HOCHTIEF lud ein ins „Il Caffé“

Im Anschluss an die Stadtführung gab es einen von der Firma HOCHTIEF organisierten Imbiss in einem Campus-Café. Nach der sehr guten Stärkung wurde eine eindrucksvolle Präsentation über ihr vor kurzem abgeschlossenes Projekt SAAone gehalten. Bei dem Projekt handelt es sich um den Aus- und Neubau der Autobahn rund um Amsterdam.

Bauwerke des Projekts saaone
Bauwerke des Projekts saaone

Da die Bauwerke bereits vor Kurzem fertig gestellt wurden, konnten zwei Ingenieurbauwerke mit dem zuständigen Bauleiter gemeinsam mit dem Bus angefahren und besichtigt werden. Dazu zählt eine Eisenbahnbrücke aus Stahl über eine zehnspurige Autobahn. Die Brücke wurde neben der Autobahn vollständig erbaut und dann innerhalb einer 14 stündigen Straßensperrung an ihre endgültige Position verschoben. Der zweite Stopp wurde bei einem Wasserkanal eingelegt, welcher über die zwölfspurige Autobahn (5 Spuren je Richtung plus zwei Wechselspuren) führt: Dabei handelt es sich um Europas größtes Aquädukt. Mit einer Wassertiefe von etwa 2,5 m können sogar größere Boote den Kanal passieren. Zum Abschluss wurde noch ein Gruppenfoto auf dem Campus gemacht und es gab für jeden eine Geschenktüte.

Abendessen mit Herrn Professor Walraven im Het Koningshuys
Abendessen mit Herrn Professor Walraven im Het Koningshuys

Nach der Rückfahrt nach Delft ging es am Abend gemeinsam zum Abendessen ins Het Koningshuys. Nach einem leckeren 3-Gänge-Menü zog die Gruppe weiter und feierte gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden.

Gruppenfoto der Exkursionsgruppe in Amsterdam
Gruppenfoto der Exkursionsgruppe in Amsterdam

Tag 4 – Hamm – Darmstadt – Kaiserslautern

Sicherheitseinweisung im GOLDBECK Fertigteilwerk
Sicherheitseinweisung im GOLDBECK Fertigteilwerk

Am letzten Tag ging es mit gepackten Koffern wieder in Richtung Heimat. Der letzte Zwischenstopp der Exkursion befand sich in Hamm im Fertigteilwerk der Firma Goldbeck. Nach einer ausführlichen Sicherheitseinweisung wurde die Gruppe durch das Werk geführt, welches sich aus vier Hallen und einem Lagerplatz zusammensetzt. Zunächst gibt es den Bereich für das Flechten der Bewehrung und zur Stützenherstellung. Die Körbe der Bauteile werden teilweise komplett fertig geliefert, teilweise jedoch auch selbst zusammengefügt. Produziert werden die Stützen entweder direkt mit Fundament oder Fundament und Stütze in Einzelteilen, welche nachträglich mittels Einbauteilen miteinander verbunden werden. Der verwendete Beton wird direkt vor Ort hergestellt und kann so je nach Bedarf gemischt und mittels Schienensystem zur richtigen Stelle transportiert werden.

Der zweite Bereich dient der Herstellung von vorgespannten Wandelementen. Nach dem Einbau der Bewehrung werden die Spannstähle vorgespannt und anschließend erfolgt die Betonage. Das Ganze erfolgt ähnlich wie die Automobilproduktion auf einer Art Fließband. Nach Beendigung eines Schrittes wird das Bauteil zur nächsten Station verfahren.

Im dritten Bereich werden Wandsegmente hergestellt. Hierbei werden bereits die Rahmenkonstruktionen für spätere Fenster o.Ä. installiert, was einen wesentlichen Vorteil in der Abdichtung bietet. Weiterhin gibt es hier eine Trockenkammer, welche den Prozess beschleunigt.

Der letzte und noch relativ neue Bereich dient zur Vorbereitung für die Wandsegmente. Hier werden für jede Wand sämtliche benötigte Teile zusammengestellt und innerhalb kürzester Zeit eingebaut. So können die Wände inklusive Fensterscheiben, etc. zur Baustelle geliefert und dort direkt montiert werden.

Nach der Führung wurde bei Brötchen und Kuchen eine Präsentation über die Firma und deren Standorte gehalten, wobei u.a. ein Einblick in das Unternehmenswachstum und den Standort Hamm gegeben wurde.

Danach legte die Gruppe die letzten Etappen zunächst nach Darmstadt und dann weiter nach Kaiserslautern zurück.

Wir bedanken uns insbesondere beim Organisationskomitee sowie allen beteiligten Personen und Firmen, die uns nicht nur mit tollen Hintergrundinformationen, Vorträgen, Videos, Snacks und Getränken, sondern auch mit Führungen und Geschenken willkommen hießen!

Danke an:

• Wayss & Freytag

• bam international

• HOCHTIEF Nederland

• GOLDBECK

• FiberCore Europe

• Professor Simon Wijte (TU Eindhoven)

• Professor Theo Salet (TU Eindhoven)