Exkursion_2017

Pfingstexkursion 2017

Traditionsgemäß fand auch in diesem Jahr wieder die Gemeinschaftsexkursion des Instituts für Massivbau der TU Darmstadt (Professor Graubner, vertreten durch Herrn Dr.-Ing. Proske) und der Fachgebiete Massivbau und Stahlbau der TU Kaiserslautern (Professoren Schnell (sowie zukünftiger Nachfolger Herr Dr.-Ing. Glock) / Kurz) statt. In der Woche nach Pfingsten, vom 06.06.2017 bis zum 09.06.2017, führte uns die diesjährige Exkursion in das Obere Rheintal und bescherte uns zahlreiche technische und kulturelle Eindrücke. Die 48-köpfige Reisegruppe bestand somit aus zwei Professoren, einem zukünftigen Nachfolger, einem leitenden und drei regulären wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie insgesamt 41 Studierenden der beiden Universitäten.

Gruppenfoto der gesamten Reisegruppe vor den Badischen Stahlwerken
Gruppenfoto der gesamten Reisegruppe vor den Badischen Stahlwerken

Tag 1 – Kaiserslautern – Darmstadt – Frankfurt – Mainz – Trifels

Neubau Messehalle 12: Hohlkörperdecke
Neubau Messehalle 12: Hohlkörperdecke

Der erste Exkursionstag führte die Reisegruppe zunächst zur Mainmetropole Frankfurt, in der der Bau einer neuen Messehalle vorangetrieben wird. Der Bau vereint verschiedenste Konstruktionsweisen wie zum Beispiel den konstruktiven Beton- und Holzfertigteilbau, Hohlkörperdecken und komplexe Stahlkonstruktionen. Insbesondere aber auch die Dimension und die logistische Organisation dieser Baustelle faszinierte die Exkursionsteilnehmer.

Neubau Messehalle 12: Schalung / Rüstung
Neubau Messehalle 12: Schalung / Rüstung

Nach der Messehalle 12 wurde eine weitere in Frankfurt befindliche Baustelle besichtigt: die der Kornmarkt Arkaden am Dom/Römer. Knackpunkt der Baustelle war die denkmalgeschützte Fassade des Bestandsgebäudes. Zur Errichtung des geplanten Hotel-/Geschäfts- und Wohnkomplexes musste der Abbruch der bestehenden Bauwerke vorsichtig und unter Sicherstellung des Schutzes der Fassade geschehen, welche für die Bauzustände temporär gestützt wurde und im Endzustand in die Gebäudehülle integriert werden musste.

Kornmarkt Arkaden: Denkmalgeschützte Fassade
Kornmarkt Arkaden: Denkmalgeschützte Fassade
Exkursionsteilnehmer auf dem Neubau der Schiersteiner Brücke
Exkursionsteilnehmer auf dem Neubau der Schiersteiner Brücke

Der dritte Halt am ersten Exkursionstag führte zum Neubau der Schiersteiner Brücke in Mainz / Wiesbaden. Der Neubau wurde aufgrund des enorm gestiegenen Verkehrsaufkommens sowie der nicht mehr erhaltungswürdigen Bauwerkssubstanz notwendig und stellt die aktuell bundesweit größte Brückenbaustelle dar. Neben einem tollen Vortrag seitens Hessen Mobil und einer interessanten Baustellenbegehung genossen die Teilnehmer die Rückfahrt per Schiff und trotzten dem leichten Nieselregen.

Luftaufnahme des Kurhauses Trifels
Luftaufnahme des Kurhauses Trifels

Gegen 20 Uhr erreichte die Reisegruppe dann den kleinen Ort Annweiler am Trifels, in dessen Kurhaus die Reisenden während der Exkursionswoche übernachteten und den ersten Tag mit einem Abendessen ausklingen ließen.

Tag 2 – Rastatt – Kehl – Straßburg

Eingang zum Tunnel Rastatt
Eingang zum Tunnel Rastatt

Der zweite Tag führte uns zunächst zur Tunnelbaustelle Rastatt auf der Neubaustrecke Karlsruhe – Basel der Deutschen Bahn.

Der zweiröhrige Tunnel hat eine Gesamtlänge von 4,3 km. Davon entfallen auf die beiden Röhren 3,9 km bzw. 4,0 km. An den Tunnel schließen sich die Rampenbauwerke an mit Längen von 800 m (Nord) und 900 m (Süd). Die beiden Vortriebsmaschinen haben einen Durchmesser von ca. 11 m. Eingesetzt werden Mixschilde mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust. Die Baugruben für die Rampen und Tunnel in offener Bauweise wurden vornehmlich mit rückverankerten Spundwänden, z. Teil (im Bereich Rheintalbahn) auch mit rückverankerten Schlitz- bzw. Bohrpfahlwänden sowie mit einer verankerten Unterwasserbetonsohle hergestellt. Das Bild zeigt die Deckenschalung für den Abschnitt Tunnel offene Bauweise Süd.

Teil der Reisegruppe vor der Tunnelbaustelle Rastatt
Teil der Reisegruppe vor der Tunnelbaustelle Rastatt
Gruppenfoto vor den Badischen Stahlwerken
Gruppenfoto vor den Badischen Stahlwerken

Der nächste Halt führte uns zu den Badischen Draht- und Stahlwerken in Kehl am Rhein. Die Badische Drahtwerke GmbH (BDW) verarbeitet Walzdraht zu Gitterträgern, Betonstahlmatten, Betonstahl, Bewehrungsdraht und Bandstahl. Neben einem interessanten Vortrag und einem Video durfte die Reisegruppe bei der Stahlherstellung sowie der Weiterverarbeitung über die Schultern schauen.

Flammkuchenabend im Elsaß
Flammkuchenabend im Elsaß

Zum Abschluss des zweiten Exkursionstages fuhr die Reisegruppe in die Nähe des nicht weit entfernt gelegenen Straßburgs, wo die Möglichkeit genutzt wurde, originale Elsäßer Flammkuchen und den ein oder anderen Pinot Noir zu genießen.

Tag 3 – Waghäusel – Walldorf – Bobenheim-Roxheim

Besuch des Fertigteilwerkes FEHR in Waghäusel
Besuch des Fertigteilwerkes FEHR in Waghäusel

Der dritte Exkursionstag führte uns zunächst zum Fertigteilwerk Fehr in Waghäusel (Baden-Württemberg).

1960 gründet Albert FEHR ein kleines Bauunternehmen in Reichshoffen (Elsass) und arbeitet auf seinen ersten Baustellen.

Dieses bei seiner Gründung aus nur zwei Personen bestehende Unternehmen entwickelt sich harmonisch weiter und spezialisiert sich auf die Betonbranche. Heute zählt das unabhängige Familienunternehmen FEHR nahezu 670 Mitarbeiter in Frankreich und Deutschland.

FEHR ist auf Rohbauarbeiten spezialisiert und bietet mit seinen 9 Werken im Osten Frankreichs ein Sortiment gebrauchsfertigen Betons sowie vorgefertigte Betonelemente und Fassadensysteme F(Clad)® aus ultrahochleistungsfähigem Faserbeton (mit einem Werk in Deutschland) an.

Damit verbundene Dienstleistungen wie die Vermietung von Baumaschinen mit Fahrern und ein Montageteam machen das Angebot komplett.

Neubau Verwaltungsgebäude SAP: Schleuderbeton-Stützen
Neubau Verwaltungsgebäude SAP: Schleuderbeton-Stützen

Im Anschluss fuhren wir weiter nach Walldorf (zur sogenannten SAP-Stadt), um die Baustelle des neuen Vorzeige-Verwaltungsgebäudes WDF 49 von SAP zu besuchen. Die ArGe besteht aus den Unternehmen Bilfinger (ab 19.06. Implenia), Diriger+Scheidel sowie Altenbach. Das Investitionsvolumen beträgt ca. 50 Millionen € netto und soll in Stahlbeton-Skelettbauweise mit Aussteifung über vertikale Versorgungskerne errichtet werden. Insbesondere die extrem schlanken und aus Schleuderbeton hergestellten Stützen deuten auf den besonderen Anspruch dieses Vorhabens hin.

BBV Systems: Spannanker bei nachträglichem Verbund
BBV Systems: Spannanker bei nachträglichem Verbund

Der letzte Programmpunkt des dritten Tages führte uns nach Bobenheim-Roxheim, in der das auf Vorspannung von Spannbetonbauwerken spezialisierte Unternehmen BBV Systems uns herzlich willkommen hieß. Nach mehreren Vorträgen zu sehr spannenden vergangenen und aktuellen Projekten wurde eine Werksbesichtigung durchgeführt, in der wir viele Konstruktionselemente sowie die riesigen Spannpressen der BBV besichtigen konnten.

Den Abschluss des letzten Abends bildete ein gemeinsames Barbecue mit feinsten Spezialitäten des Hauses. Bei grandiosem Wetter und entspannter Atmosphäre klang der Abend im Kurhaus mit wunderbarer Kulisse aus.

Barbecue-Abend im Kurhaus Trifels
Barbecue-Abend im Kurhaus Trifels

Tag 4 – Wanderung zur Reichsburg – Neustadt an der Weinstraße

Reichsburg Trifels
Reichsburg Trifels

Der letzte Tag der Exkursion begann mit einem kulturellen Programmpunkt, der Wanderung zur Reichsburg Trifels.

Die Burg Trifels war eine Kaiserburg und die Lieblingsburg Barbarossas. Diese vornehme Königsfeste aus der Zeit der Staufer steht auf dem höchsten dreier Burgberge. Hieraus leitet sich auch der Name „Tri-Fels“ ab. Die Burg wurde auch als Staatsgefängnis berühmt, insbesondere da hierin der englische König Richard Löwenherz gefangengehalten wurde.

Vortrag von Herrn Prof. em. Dr.-Ing. Ramm
Vortrag von Herrn Prof. em. Dr.-Ing. Ramm

Nach der Wanderung zur Reichsburg erwartete uns im Kurhaus Trifels ein spannender Vortrag von Herrn Prof. Dr.-Ing. em. Wieland Ramm, ehemaliger Professor für Massivbau der Technischen Universität Kaiserslautern und Vorgänger von Herrn Professor Schnell.

Das Thema waren die Anfänge des Eisenbetonbaus in Deutschland, der Erwerb der Nutzungsrechte an Moniers deutschem Patent durch Conrad Freytag sowie die Weiterentwicklung des Eisenbetonbaus in Kopperation mit Herrn Wayss. Herr Conrad Freytag stammte aus dem pfälzischen Neustadt an der Haardt, dem heutigen Neustadt an der Weinstraße.

Neustadt an der Weinstraße: Ehemalige IBAG-Hallen
Neustadt an der Weinstraße: Ehemalige IBAG-Hallen

Nach dem Vortrag ging die Reise weiter. Die Gruppe besuchte die Baustelle der ehemaligen IBAG-Hallen (Internationale Baumaschinenfabrik Aktiengesellschaft).

Die heute als letztes bauliches Zeugnis der Firma IBAG in Neustadt erhaltene Halle wurde nach einem Entwurf des Ingenieurs Karl Fischer als Rippenkonstruktion in Eisenbeton errichtet. Die dreischiffige Halle, die sich über eine Länge von 96 m und eine Gesamtbreite von 14,5 m erstreckt, wurde bereits zu ihrer Bauzeit als „ein ganz hervorragendes Beispiel neuzeitlicher Ingenieurbaukunst“ viel beachtet.

(Deutsche Bauzeitung 1911)

Die IBAG-Halle wurde 1911 als Produktions- und Montagehalle durch die Firma Wayss & Freytag erbaut.

Der aus Neustadt an der Weinstraße stammende Carl Freytag erwarb 1884 die Nutzungsrechte für Süddeutschland an den Eisenbeton-Patenten des Franzosen Joseph Monier. Gemeinsam mit dem aus Frankfurt stammenden Gustav Adolf Wayss gründete Freytag die Firma Wayss & Freytag AG.

Das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk wird zur Zeit saniert und soll zu einem Prestige-Wohngebäude mit Atrium und mehreren exklusiven Wohnungen im Loft-Stil umgebaut werden.

Besuch des Mausoleums von Conrad Freytag
Besuch des Mausoleums von Conrad Freytag

Der letzte Programmpunkt der Exkursionswoche bestand in einem Besuch des Mausoleums der Familie Freytag. Das in Eisenbeton errichtete Bauwerk wurde von Conrad Freytag erbaut, der dieses Material bewusst auswählte und mit unterschiedlichen Techniken der Oberflächenbearbeitung auch das ästethische Potential des Werkstoffes Beton hervorhob. Eine Verwandte von Herrn Conrad Freytag, welche im Besitz der Schlüssel zum Mausoleum war, öffnete der Reisegruppe die Pforten – eine Gelegenheit, die nur wenigen Besuchern vorbehalten ist.

Der Exkursion ermöglichte auch ein Zusammentreffen dreier Generationen von Massivbau-Professoren der Technischen Universität Kaiserslautern (Ramm / Schnell / Glock).

Nach dem Besuch trat die Exkursionsgruppe die gemeinsame Heimreise an. Nach einer eng getakteten, aber bestens organisierten, spannenden und abwechslungsreichen Exkursionswoche waren wir dankbar für die neu gewonnenen Eindrücke und Impressionen und freuen uns schon jetzt auf viele weitere tolle Fahrten.

Wir bedanken uns insbesondere beim Organisationskomitee sowie allen beteiligten Personen und Firmen, die uns nicht nur mit tollen Hintegrundinformationen, Vorträgen, Videos, Snacks und Getränken, sondern auch mit Führungen und Geschenken willkommen hießen!

Danke an:

  • Messe Frankfurt
  • RSP Ingenieure
  • ZÜBLIN
  • Hochtief
  • Bilfinger bzw. Implenia
  • Hessen Mobil
  • Deutsche Bahn AG
  • Badische Draht- und Stahlwerke
  • Fertigteilwerk Fehr
  • Diringer+Scheidel
  • BBV Systems
  • Prof. Dr.-Ing. em. Wieland Ramm
  • Wayss & Freytag