Exkursion_2015

Pfingstexkursion 2015

Die alljährlich in der Woche nach Pfingsten stattfindende Gemeinschaftsexkursion des Instituts für Massivbau der TU Darmstadt (Professor Graubner) und der Fachgebiete Massivbau (Professor Schnell) und Stahlbau (Professor Kurz) der TU Kaiserslautern führte die 43 Studierenden sowie ihre Betreuer in diesem Jahr in die Hauptstadt nach Berlin. Vom 26.05. bis zum 29.05.2015 warteten dort sowie auf dem Weg dorthin wieder einige spannende Baustellen auf die Reisegruppe.

Die Reisegruppe auf der Baustelle des Uniklinikums in Jena
Die Reisegruppe auf der Baustelle des Uniklinikums in Jena

Tag 1 – Busfahrt nach Berlin

Blick in die Übungshalle der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg
Blick in die Übungshalle der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg

Die Exkursion begann am Dienstag Morgen pünktlich um 7:30 Uhr am Darmstädter Hauptbahnhof, wo wir von den Kaiserslauterern mit dem Bus abgeholt wurden. Auf dem Weg nach Berlin machten wir zunächst in Würzburg bei der dort ansässigen staatlichen Feuerwehrschule Station. Hier baut die Landesregierung eine neue Übungshalle für die Aus- und Fortbildung der Führungskräfte der bayrischen Feuerwehren. Aus Stahlbeton wurden hierzu verschiedene Gebäude mit unterschiedlichsten Nutzungseinheiten gebaut, die allesamt realitätsnah ausgebaut werden. Neben einem Einfamilienhaus gibt es hier ein Hochhaus, eine Tiefgarage, ein Logistikunternehmen, eine Grube sowie ein Mehrfamilien-/Reihenhaus, mit verschiedenen Nutzungen in den einzelnen Etagen. Überspannt werden diese Gebäude von Stahlfachwerkträgern, auf denen das Dach montiert wird. Später sollen hier – durch das Hallendach geschützt vor Witterungseinflüssen – mit Hilfe von Licht-, Rauch- und Soundeffekten realistische Einsatzszenarien geübt werden können.

wieder aufgebaute Pöppelmannbrücke in Grimma
wieder aufgebaute Pöppelmannbrücke in Grimma

Der nächste Halt auf der Fahrt in Richtung Hauptstadt erfolgte in Grimma. Dort führten die beiden Jahrhunderthochwasser des Flüsschen Mulde in den Jahren 2002 und 2013 zu erheblichen Schäden und Zerstörungen in weiten Teilen des Ortes. Auch die historische Pöppelmannbrücke – einst eine sieben feldrige massive Bogenbrücke – wurde vom Hochwasser 2002 zerstört. Die daraufhin neu aufgebaute Stahl-Bogenbrücke überstand das 2013 folgende Hochwasser jedoch nahezu unbeschadet.

Hochwasserschutztor in Grimma
Hochwasserschutztor in Grimma

Darüber hinaus werden in Grimma jedoch weitere umfangreiche Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt. Entlang des gesamten Flussufers wird eine massive Hochwasserschutzwand erstellt, die zukünftige Überflutungen verhindern soll. Die Öffnungen – wie Durchgänge, Durchfahrten etc. – werden allesamt mit kolossalen Stahltoren verschlossen. Des Weiteren wurden an der gesamten Uferlinie unterhalb der Wand eine überschnittene Bohrpfahlwand installiert, damit das Wasser auch nicht von unten in die Altstadt von Grimma eindringen kann.

Nachdem wir uns diese Ingenieurbauten ausgiebig angeschaut hatten, konnten wir schließlich unsere Fahrt nach Berlin fortsetzen und gegen 22 Uhr endlich unsere Zimmer im Bezirk Lichtenberg beziehen. Da in dieser Gegend die Lokalitäten nur sehr spärlich angesiedelt sind, reichte es für uns an diesem Abend nur noch zu einem kurzen Abendspaziergang und einem Absacker in der Hotelbar.

Tag 2 – Unterwegs in Berlin

Ein Teil der Exkursionsgruppe im Bürogebäude 50 Hertz
Ein Teil der Exkursionsgruppe im Bürogebäude 50 Hertz

Am zweiten Tag standen ausschließlich Baustellen in Berlin auf dem Programm. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel ging es zur ersten Baustelle: Dem neuen 12stöckigen Bürogebäude „50 Hertz“ in der Nähe des Hauptbahnhofs. Bereits von weitem ist die besondere Architektur dieses Bauwerks zu erkennen, da die Außenstützen nicht senkrecht stehen, sondern geneigt sind. Das führt dazu, dass die nach Stahlbeton aussehenden Stützen tatsächlich Stahl- bzw. Verbundstützen sind und die verschweißten Knotenpunkte ein spannendes Kunstwerk für sich darstellen. Doch auch die senkrecht stehenden Innenstützen haben mit Stabdurchmessern bis zu 52mm unsere Blicke auf sich gezogen.

Blick ins Innere der Brückenkonstruktion
Blick ins Innere der Brückenkonstruktion

Als nächstes ging es zu einer Brückenbaustelle nach Treptow-Köpenick. Hier soll eine neue Brücke die Spree mit einer Spannweite von ca. 150 Meter überspannen. Gewählt wurde hier eine Stahlbrücke mit zwei parallel nebeneinander stehenden Fachwerken, deren Höhe sich in Feldmitte verringert. Gefertigt wird die Brücke zunächst auf dem Vorland, um dann zunächst längs und anschließend quer in die endgültige Lage verschoben zu werden. Bei dieser gewaltigen Konstruktion konnten wir im eingerüsteten Bereich sogar einmal hinein klettern und uns die Schweißnähte am Obergurt-Hohlkasten aus der Nähe ansehen.

Die Gruppe auf dem Weg zur Spreebrücke
Die Gruppe auf dem Weg zur Spreebrücke
Schweißverbindung der Fachwerkdiagonalen
Schweißverbindung der Fachwerkdiagonalen
Blick auf die Baustelle der A100
Blick auf die Baustelle der A100

Den Nachmittag verbrachten wir schließlich auf dem Baufeld des 16. Bauabschnitts der A100. Eingeladen von der ausführenden Firma Krebs & Kiefer Berlin konnten wir uns zunächst mit Curry Wurst, Brötchen und Kuchen stärken, bevor uns der zuständige Referatsleiter der Baubehörde Berlin die gesamte Baumaßnahme näher erläuterte. Auf 3,2 km wird hier die Autobahn A100 verlängert und vollständig in einem Trogquerschnitt im Boden geführt. Mehrere kreuzende Verkehrswege der Bahn bzw. anderer Straßen müssen dabei gekreuzt werden, wodurch zurzeit mit Gesamtkosten in Höhe von ca. 400 Millionen Euro kalkuliert wird.

Die Gruppe der Darmstädter Studenten vor der bereits fertiggestellten Eisenbahnbrücke
Die Gruppe der Darmstädter Studenten vor der bereits fertiggestellten Eisenbahnbrücke

Aktuell werden vor allem Erdarbeiten durchgeführt. Da in Berlin das Grundwasser bereits in einer Tiefe von 1 m bis 1,5 m ansteht, musste die Strecke in mehrere Abschnitte unterteilt werden. Die Baugrubensicherung erfolgt dabei mit Schlitzwänden, die auch für im Endzustand erhalten bleiben. In verschiedenen Bauabschnitten konnten wir dann die einzelnen Arbeitsschritte live mitverfolgen:

  • Erstellen der Schlitzwand mittels Schlitzwandgreifer
  • Aushub der Baugrube bis zum Grundwasser
  • Aushub unter Wasser
  • Einbringen der Unterwasserbetonsohle
  • Einbringen der Bewehrung der Fundamentsohle

Zum Abschluss des Tages konnten wir noch eine Fahrt mit dem schnellsten Aufzug Europas erleben. In Sekundenschnelle konnten wir den Ausblick aus der 24. Etage des Kollhoff Towers am Potsdamer Platz genießen.

Tag 3 – Schiffshebewerk in Niederfinow

Neubau des Schiffshebewerkes in Niederfinow
Neubau des Schiffshebewerkes in Niederfinow

Am dritten Exkursionstag führte unser Weg nach Niederfinow an den Oder-Havel-Kanal unweit der polnischen Grenze. In direkter Nachbarschaft zum alten Schiffshebewerk aus Stahl, das mindestens noch 15 Jahre weiter in Betrieb bleiben soll, entsteht hier ein neues, modernes und größeres Hebewerk aus Stahlbeton. Dieses kann Schiffe bis 100 m Länge über 36 m in die Höhe befördern. Die mit jedem Hub bewegte Masse beträgt dabei knapp 1000 Tonnen. Dass das Gewicht des/r transportierten Schiffe/s dabei gemäß dem archimedischen Prinzips keine Rolle spielt, war für den einen oder die andere Studierende offenbar eine neue Erkenntnis.

Blick auf den oberseitigen Anschluss des Hebewerks
Blick auf den oberseitigen Anschluss des Hebewerks

Aufgeteilt in zwei Gruppen wurden wir einmal quer über die gesamte Baustelle geführt und konnten einen umfassenden Einblick in die aktuell laufenden Bauarbeiten gewinnen. Vom Untergeschoss, wo wir uns unter dem Schiffstrog den Einbau der Hubseile ansehen konnten, ging es zu Fuß in das 12. Obergeschoss – 353 Treppenstufen mussten hierfür erklommen werden. Oben angekommen konnten wir vom Dach des Treppenhauses einen tollen Ausblick auf die Brandenburger Heide und den Anschluss des Hebewerks an die Schiffsbrücke und den obenliegenden Teil des Kanals genießen.

Die Darmstädter Studenten auf dem Dach des neuen Schiffshebewerks
Die Darmstädter Studenten auf dem Dach des neuen Schiffshebewerks
Das alte Schiffshebewerk während des Hubvorgangs
Das alte Schiffshebewerk während des Hubvorgangs

Zurück auf dem Boden blieb uns nur wenig Zeit für ein schnelles Mittagessen, da bereits das Ausflugsboot auf uns wartete, mit dem wir einmal den Hubvorgang des alten Schiffshebewerks miterleben durften. Gemeinsam mit einer Gruppe rüstiger Rentner besetzten wir das Schiff bis auf den letzten Platz, sodass für einige der dynamischeren jungen Menschen nur noch Stehplätze übrig blieben.

Wie früher bei unserem Aufzug hier im Bauingenieurgebäude, als dieser noch alleine war und des Öfteren zunächst andere nach oben oder unten beförderte, bevor er eine selbst die Türen öffnete, mussten wir auch bei dem Hebewerk anstehen und warten, bis ein anderer zunächst nach unten gelassen wurde. Deshalb schipperten wir erstmal gemütlich auf der Finow bis zum Lieper See, um dann gemeinsam mit einem polnischen, mit Schrott beladenen Kahn nach oben befördert zu werden. Kaum oben angekommen ging es nach einem kurzen Wendemanöver auch schon wieder abwärts.

Blick auf das Holocaust-Mahnmal
Blick auf das Holocaust-Mahnmal

Nach der Bootstour ging es zurück nach Berlin, wo eine Führung durch das Holocaust-Mahnmal auf dem Programm stand. Neben der Frage, inwiefern die systematisch und zugleich doch unordentlich angeordneten Stehlen an die ermordeten Juden Europas erinnern, wurde dabei auch auf mögliche Ursachen der Risse in den Betonblöcken eingegangen. Auch das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im angrenzenden Berliner Tiergarten wurde bei der Führung miteinbezogen. Am Ende der Führung konnten wir uns am Ort der Information noch detailliertere Einblicke in die Zeit der Nationalsozialisten und das Schicksal der europäischen Juden verschaffen.

Zum Abschluss des letzten Tages in Berlin gingen wir alle gemeinsam im Restaurant Maximilians essen. Bei Weißbier und bayrischer Küche saßen wir in gemütlicher Runde beisammen und ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 4 – Rückfahrt nach Darmstadt

Besichtigung des Sandwich-Werks von ArcelorMittal
Besichtigung des Sandwich-Werks von ArcelorMittal

Die Abfahrt zurück nach Darmstadt war bereits früh morgens um 7 Uhr am vierten Tag der Exkursion. Tatsächlich schafften es auch alle Teilnehmer pünktlich im Bus zu sitzen – zu mindest diejenigen, die auch wieder mit zurück wollten – sodass wir uns durch den morgendlichen Berliner Berufsverkehr in Richtung Autobahn kämpfen konnten.

Gegen 9 Uhr stand dann bereits der erste Halt auf dem Programm. Wir besuchten das Sandwichwerk der Firma ArcelorMittal in Brehna. Hier konnten wir live miterleben, wie die Bleche für die Sandwichelemente gewalzt und diese anschließend miteinander verschäumt und zurechtgeschnitten wurden. Außerdem bekamen wir in einem Vortrag einen umfangreichen Einblick in die Produktpalette des Unternehmens. Dabei kamen vor allem die belegten Brötchen sehr gut bei den Studierenden an.

Besichtigung des Neubaus des Uniklinikums in Jena
Besichtigung des Neubaus des Uniklinikums in Jena

Der zweite Stop erfolgte etwas später in Jena. Dort wird das Uniklinikum nicht nur umfangreich modernisiert, sondern größtenteils komplett neu gebaut. Auch wenn der Rohbau bereits fertiggestellt wurde, konnten wir hier doch einen tollen Einblick in die besonderen Anforderungen bei solch einer Baumaßnahme erhalten. Bei einem Rundgang über die Baustelle ist uns insbesondere die enorme Menge an Kabel und erforderliche Technik ins Auge gesprungen.

Auf dem Dach des neuen Uniklinikums
Auf dem Dach des neuen Uniklinikums

Aber auch das Konzept und der Aufbau des Gebäudes wurde uns von der verantwortlichen Projektleiterin seitens des Krankenhauses anschaulich erläutert. Vor der Abfahrt konnten wir schließlich noch ein Gruppenfoto vor dem Baukomplex machen, auf das jedoch nicht alle Teilnehmer drauf zu bekommen waren. Zu sehr drückte bei einigen die Blase und als die einen endlich erleichtert zurückgekommen waren, waren die nächsten schon wieder verschwunden.

So brachen wir letztlich doch irgendwann noch zur Heimfahrt auf und waren alle froh, als wir gegen halb 9 endlich wieder in Darmstadt angekommen waren.

Weitere Impressionen